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Orpheus. – Eurydike. Hermes. Schon der Titel verrät, aus welcher Perspektive hier gesungen wird. Der Sänger, der in die Unterwelt hinabstieg, um die Liebe seines Lebens aus den Fängen des Todes zu befreien, erinnert sich mit den Worten Rainer Maria Rilkes an die schicksalsvollen Momente, die zum Scheitern seines Vorhabens führten. Durch seinen Gesang durchlebt er die Situation auf ein Neues.
Wie einen Schatz hebt Orpheus die mit Perlen gefüllte Rahmentrommel. Sie ist ihm wertvoll, wie Eurydike. Ihr steter Puls treibt ihn voran. Ihr Sein ist sein Sinn. So meditiert er über ihre Existenz, während er den Weg zum Leben schreitet. Doch kommen ihm bald Zweifel, ob sein Bergungsversuch gelingen kann, ob seine Geliebte noch in die Welt der Lebenden gehört, ob sie je wieder ins pralle Leben zurückfinden kann oder doch erfüllt bleibt von Leere, ob sie ist oder eben nicht mehr ist. Seine Zweifel bringen ihn ins Wanken: Sie ist vielleicht nicht mehr die Eurydike seiner Liebe. Dieser Gedanke verdreht ihm den Kopf. Er muss sich vergewissern! Er sieht, wie ihr Begleiter, Hermes, seine Geliebte anhält. Sein schmerzerfüllter Ausruf: „Er hat sich umgewendet––“ hallt durch Orpheus’ Sinne. Die Perlen liegen verstreut auf dem Boden. Sie, die mit Mühe empor gehoben worden sind, sind ohne Wiederstand, kraftlos, willenlos zur Erde gefallen, verloren wie Tränen. Das Letzte, an das er sich erinnern kann, ist das leere „Wer?“ seiner Liebe, das ihm den Hals zuschnürt. So endet Orpheus' letztes Lied, dem Mythos folgend, im Schweigen.
„Orpheus. – Eurydike. Hermes.“ bedient sich des Rhythmus’ des Morsecodes für die Initialen des Widmungsträgers Carl Orff. Aus ihm entspringt ein Puls, der angelehnt ist an archaische, pastorale Tänze. Am Höhepunkt des Liedes dreht sich dieser Rhythmus mit Orpheus herum. Anschließend verlässt er ihn.
Die Magie der Skulpturen von Antje Tesche-Mentzen schlägt sich in der Tonsprache des Liedes nieder. Wie bei Tesche-Mentzens Skulpturen ist sie nur in der menschlichen Psyche, dem Gesicht, konkret. Besonders der Anfang und der Schluss der Komposition gehen auf das Körperliche der Skulpturen ein. Hier wird die Stimme als körperliche Klangskulptur manuell bearbeitet und zum Erzittern gebracht. Zeitgleich glitzert eine goldene Aura in der Harfe wie das Arpeggio einer Laute (Spielanweisung „Près de la table“), die wieder Laufen lernen muss. Die letzten Töne der Harfe greifen diesen Anfang wieder auf, allerdings in Umkehrung. So wie Orpheus sich umgekehrt hat, so kehrt sich auch seine Laute um. Doch wohin er sich auch wendet, am Schicksal ändern kann er nichts. Wird der schwebende, sich keinem Metrum unterwerfende Zustand zu Beginn noch mutig durchbrochen, bricht er am Ende resignierend und ermattet ab.
Die mp3 ist zwar keine Live-Aufnahme, sondern eine MIDI-Simulation, gibt aber einen etwas besseren Eindruck der Harfenstimme wieder, als die MIDI-Datei. Weder mp3 noch MIDI-Datei können freilich die musiktheatralen Elemente der Komposition darstellen. Das kann nur die konzertante Situation.
–––
Orpheus. - Eurydice. Hermes. The title reveals, from which perspective is sung here. The singer, who descended to the underworld to free the love of his life from the clutches of death, recalls the fateful moments that led to the failure of his project. Through his singing and the words of Rainer Maria Rilke he relives the situation once more.
Like a treasure, Orpheus raises the frame drum that is filled with pearls. She is precious to him, like Eurydice. Her steady pulse drives him forward. Her being is his meaning and longing. So he meditates on her existence as he walks the path to life. But doubts soon overcome him as to whether his recovery attempt can succeed, whether his lover does or does not belong in the realm of the living, whether she can be full of life again or is filled with emptiness, whether she still is or is no more. His doubts make him waver: she may not be the Eurydice he was in love with anymore after all. This thought turns his head. He has to make sure! He sees her companion, Hermes, stop his lover. His pained exclamation: "He has turned around––" echoes through Orpheus' mind. The pearls are scattered on the ground. They, which have been lifted with great effort, have fallen effortlessly, powerless and limp, to earth, lost like tears. The last thing he can remember is his love's empty "Who?" asphyxiating him. His last song like in the legend ends in silence.
"Orpheus. - Eurydice. Hermes "uses the Morse code rhythm for the initials of the dedicatee Carl Orff. It gives birth to a pulse that is based on archaic, pastoral dances. At the climax of the piece, the Morse code rhythm turns around together with Orpheus.
The magic of the sculptures by Antje Tesche-Mentzen is reflected in the musical language of the song. As with Tesche-Mentzen's sculptures, the music is concrete only in the human psyche and emotion, the face and expression. Especially the beginning and end of the composition are based on the physical forms. Here, the voice is shaped and pummelled manually as a physical sound sculpture and made to tremble. At the same time a golden aura glitteres in the harp like the broken, injured arpeggio of a lute (playing instruction "Près de la table") that has forgotten how to walk. The last notes of the harp pick up this beginning again, but in reverse. Just as Orpheus has turned around, so did his lute. But wherever he turns, he can do nothing about their destiny. Whereas the hovering state, which does not submit to a meter, is bravely broken in the beginning, it ends in a resigned, weary, dull state.
The mp3 is not a live recording, but a MIDI simulation. It gives a slightly better impression of the harp part than the MIDI file. Of course, neither mp3 nor MIDI file can represent any of the music-theatrical elements of the composition comprehendably. Those can only be presented in concert.
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Wie einen Schatz hebt Orpheus die mit Perlen gefüllte Rahmentrommel. Sie ist ihm wertvoll, wie Eurydike. Ihr steter Puls treibt ihn voran. Ihr Sein ist sein Sinn. So meditiert er über ihre Existenz, während er den Weg zum Leben schreitet. Doch kommen ihm bald Zweifel, ob sein Bergungsversuch gelingen kann, ob seine Geliebte noch in die Welt der Lebenden gehört, ob sie je wieder ins pralle Leben zurückfinden kann oder doch erfüllt bleibt von Leere, ob sie ist oder eben nicht mehr ist. Seine Zweifel bringen ihn ins Wanken: Sie ist vielleicht nicht mehr die Eurydike seiner Liebe. Dieser Gedanke verdreht ihm den Kopf. Er muss sich vergewissern! Er sieht, wie ihr Begleiter, Hermes, seine Geliebte anhält. Sein schmerzerfüllter Ausruf: „Er hat sich umgewendet––“ hallt durch Orpheus’ Sinne. Die Perlen liegen verstreut auf dem Boden. Sie, die mit Mühe empor gehoben worden sind, sind ohne Wiederstand, kraftlos, willenlos zur Erde gefallen, verloren wie Tränen. Das Letzte, an das er sich erinnern kann, ist das leere „Wer?“ seiner Liebe, das ihm den Hals zuschnürt. So endet Orpheus' letztes Lied, dem Mythos folgend, im Schweigen.
„Orpheus. – Eurydike. Hermes.“ bedient sich des Rhythmus’ des Morsecodes für die Initialen des Widmungsträgers Carl Orff. Aus ihm entspringt ein Puls, der angelehnt ist an archaische, pastorale Tänze. Am Höhepunkt des Liedes dreht sich dieser Rhythmus mit Orpheus herum. Anschließend verlässt er ihn.
Die Magie der Skulpturen von Antje Tesche-Mentzen schlägt sich in der Tonsprache des Liedes nieder. Wie bei Tesche-Mentzens Skulpturen ist sie nur in der menschlichen Psyche, dem Gesicht, konkret. Besonders der Anfang und der Schluss der Komposition gehen auf das Körperliche der Skulpturen ein. Hier wird die Stimme als körperliche Klangskulptur manuell bearbeitet und zum Erzittern gebracht. Zeitgleich glitzert eine goldene Aura in der Harfe wie das Arpeggio einer Laute (Spielanweisung „Près de la table“), die wieder Laufen lernen muss. Die letzten Töne der Harfe greifen diesen Anfang wieder auf, allerdings in Umkehrung. So wie Orpheus sich umgekehrt hat, so kehrt sich auch seine Laute um. Doch wohin er sich auch wendet, am Schicksal ändern kann er nichts. Wird der schwebende, sich keinem Metrum unterwerfende Zustand zu Beginn noch mutig durchbrochen, bricht er am Ende resignierend und ermattet ab.
Die mp3 ist zwar keine Live-Aufnahme, sondern eine MIDI-Simulation, gibt aber einen etwas besseren Eindruck der Harfenstimme wieder, als die MIDI-Datei. Weder mp3 noch MIDI-Datei können freilich die musiktheatralen Elemente der Komposition darstellen. Das kann nur die konzertante Situation.
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Orpheus. - Eurydice. Hermes. The title reveals, from which perspective is sung here. The singer, who descended to the underworld to free the love of his life from the clutches of death, recalls the fateful moments that led to the failure of his project. Through his singing and the words of Rainer Maria Rilke he relives the situation once more.
Like a treasure, Orpheus raises the frame drum that is filled with pearls. She is precious to him, like Eurydice. Her steady pulse drives him forward. Her being is his meaning and longing. So he meditates on her existence as he walks the path to life. But doubts soon overcome him as to whether his recovery attempt can succeed, whether his lover does or does not belong in the realm of the living, whether she can be full of life again or is filled with emptiness, whether she still is or is no more. His doubts make him waver: she may not be the Eurydice he was in love with anymore after all. This thought turns his head. He has to make sure! He sees her companion, Hermes, stop his lover. His pained exclamation: "He has turned around––" echoes through Orpheus' mind. The pearls are scattered on the ground. They, which have been lifted with great effort, have fallen effortlessly, powerless and limp, to earth, lost like tears. The last thing he can remember is his love's empty "Who?" asphyxiating him. His last song like in the legend ends in silence.
"Orpheus. - Eurydice. Hermes "uses the Morse code rhythm for the initials of the dedicatee Carl Orff. It gives birth to a pulse that is based on archaic, pastoral dances. At the climax of the piece, the Morse code rhythm turns around together with Orpheus.
The magic of the sculptures by Antje Tesche-Mentzen is reflected in the musical language of the song. As with Tesche-Mentzen's sculptures, the music is concrete only in the human psyche and emotion, the face and expression. Especially the beginning and end of the composition are based on the physical forms. Here, the voice is shaped and pummelled manually as a physical sound sculpture and made to tremble. At the same time a golden aura glitteres in the harp like the broken, injured arpeggio of a lute (playing instruction "Près de la table") that has forgotten how to walk. The last notes of the harp pick up this beginning again, but in reverse. Just as Orpheus has turned around, so did his lute. But wherever he turns, he can do nothing about their destiny. Whereas the hovering state, which does not submit to a meter, is bravely broken in the beginning, it ends in a resigned, weary, dull state.
The mp3 is not a live recording, but a MIDI simulation. It gives a slightly better impression of the harp part than the MIDI file. Of course, neither mp3 nor MIDI file can represent any of the music-theatrical elements of the composition comprehendably. Those can only be presented in concert.
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Hinzugefügt von: gerhard
Hinzugefügt am: 30.08.2018
| Aufführung: | NICHT anmeldepflichtig (GEMA, SUISA, AKM etc.) |
| Instrumentierung: |
Sologesang mit (Kammer-)Orchester
Solo>Bass+Px+Hf
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| Sprache im Lied: | Deutsch |
| Anzahl Seiten: | 8 |
| Besuche: | 9100 |








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